Schlaf & Leistungsfähigkeit

Schlaf & Leistungsfähigkeit

Viele, die nicht schlafen können, quält dann oft der Gedanke «schon so spät und ich schlafe noch immer nicht, wie soll ich morgen überhaupt produktiv sein?» – und die Sorgen selbst halten einen dann wohl zusätzlich vom Schlafen ab. Wir erleben vielleicht manchmal selbst, dass wir bei manchen Aufgaben trotz einer schlechten Nacht gute Leistung bringen, bei anderen Defizite haben. Das konnte auch eine Studie von Lo und Kollegen aus dem Jahr 2012 zeigen: die Leistung bei Aufgaben, die das Arbeitsgedächtnis forderten, litt weniger unter Schlafentzug als die einfache Reaktionszeit [1]. Es kommt also darauf an, wie wir Leistung und Produktivität messen. Ein Autor der ZEIT ONLINE hat einen Selbstversuch gestartet, wie sehr sich seine Reaktionszeit verändert, wenn er eine Nacht überhaupt nicht schläft. Den simplen Test, bei dem man immer dann klicken oder auf dem Smartphone tippen muss, wenn sich die Farbe ändert, finden Sie übrigens hier*. Erst gegen 3 Uhr, also nach mehr als 17 Stunden Wachheit und zu dem Zeitpunkt, zu dem unser circadianes System voll auf Schlaf gepolt ist, wird seine Leistung schlechter. Das entspricht auch den bisherigen Erkenntnissen [2]. Nach ca. 18 Stunden Wachheit ist unsere Reaktionszeit so schlecht wie bei 0.5 Promille [3], dazu kommen unbemerkte schlafähnliche Zustände [4]. Auto fahren sollte man dann sicher nicht mehr. Mit dem Beginn des neuen Tages und dem Anstieg des Cortisolspiegels wird jedoch auch nach fast 24h Wachheit unsere Reaktion wieder besser [5]. Und manchmal merkt man, wie der Autor, dass Arbeiten dann eigentlich doch erstaunlich gut geht.

*Um die Vergleichbarkeit zwischen Messwiederholungen zu gewährleisten, sollten Sie den Test immer am gleichen Gerät durchführen.

Expertentipps

1. Wir “funktionieren” auch wenn wir mal weniger schlafen, manche Bereiche werden mehr und manche weniger darunter leiden.

2. Für eine optimale Leistungsfähigkeit sollten wir aber auf ausreichend Schlaf achten.

3. Zwischen 2 und 4 Uhr ist unsere Reaktionsfähigkeit am schlechtesten – also besser nicht Auto fahren.

Quellen 

  1. Lo, J.C., et al., Effects of Partial and Acute Total Sleep Deprivation on Performance across Cognitive Domains, Individuals and Circadian Phase. PLoS ONE, 2012. 7(9): p. e45987.
  2. Ratcliff, R. and H.P. Van Dongen, Diffusion model for one-choice reaction-time tasks and the cognitive effects of sleep deprivation. Proceedings of the National Academy of Sciences, 2011. 108(27): p. 11285-11290.
  3. Williamson, A.M. and A.-M. Feyer, Moderate sleep deprivation produces impairments in cognitive and motor performance equivalent to legally prescribed levels of alcohol intoxication. Occupational and environmental medicine, 2000. 57(10): p. 649-655.
  4. Nir, Y., et al., Selective neuronal lapses precede human cognitive lapses following sleep deprivation. Nature medicine, 2017. 23(12): p. 1474.
  5. Goel, N., et al., Circadian rhythms, sleep deprivation, and human performance. Progress in molecular biology and translational science, 2013. 119: p. 155-190.